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Jahreslosung 2018: „ Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Offb. 21,6
Liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!

Wasser ist ein wichtiges Symbol des Lebens. Wir bestehen zu rund 60 % aus Wasser. Wasser ist ein Grundnahrungsmittel. Die UNO haben das Recht auf Wasser zum Menschenrecht erklärt. Rund 1 Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ohne Wasser verdorren Blumen, verdursten Tiere – wir Menschen auch. Gerade mal zwei Tage halten wir es ohne Wasser aus. Wasser ist die Masse in allen Getränken. Deshalb stimmt generell: „Das Wasser löscht den Durst.“
Das Bibelwort unserer Jahreslosung spricht von Durst und lebendigem Wasser. Ein starkes Bild für Gottes Güte und Fürsorge. Es stammt vom Seher Johannes, der sich den Christengemeinden in Kleinasien zuwendet, die sich in Bedrängnis und auf einer Durststrecke befinden. Sie fühlen sich weit entfernt von der ersehnten Oase mit der lebensspendenden Quelle. Am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus werden die Christen in Kleinasien unterdrückt und verfolgt. Sie litten unter der römischen Besatzungsmacht und waren ihres Lebens nicht sicher, wenn sie nicht dem Kaiser huldigten und ihn wie einen Gott verehrten. Kein Wunder, dass die Christen unter solchen Bedingungen anfingen zu zweifeln und vom Glauben abzufallen. Auf diese Zweifel und Ängste, auf die Sehnsucht, doch mehr von Gottes Nähe zu spüren, antwortet Johannes mit seiner Offenbarung. Seine Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde am Ende der Bibel sind ein Angebot an alle, am Glauben an Jesus Christus festzuhalten. Denn Jesus ist die Quelle, die unseren Durst löschen kann. Mit diesem Bild möchte Johannes besonders diejenigen ermutigen, die eine Durststecke zu bewältigen haben. Er möchte Menschen, die sich in einer Krise befinden, Hoffnung machen. Er sagt ihnen: »Jesus gibt euch das, was ihr zum Leben braucht. Er gibt euch lebendiges Wasser. Wasser, das erfrischt, heilt und euch neue Kraft gibt. Das gilt trotz Verfolgung und mancher Benachteiligung. Das gilt trotz der Enttäuschungen in eurem Leben. Das gilt, auch wenn Jesu Wiederkehr auf die Erde noch auf sich warten lässt. Wir leben hier in Deutschland nicht wie die Christen im ersten Jahrhundert in einer Situation der Verfolgung und Unterdrückung. In unserer Wohlstandsgesellschaft investieren viele alles in Karriere und Anerkennung, in Gesundheit, in die Erfüllung eines Lebenstraumes oder setzen alles in Partnerschaft und Familie. Andere suchen ihr Glück in immer wieder neuen Beziehungen oder laufen von Event zu Event. Manche versuchen es mit einem alternativen Lebensstil. Auch Einkehrtage, Meditation und Stille sind bei vielen gefragt. Dazu folg. Geschichte: „Eines Tages kamen zu einem einsamen Mönch einige Menschen. Sie fragten ihn: „Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben der Stille und Meditation?“ Der Mönch war mit dem Schöpfen von Wasser aus einem tiefen Brunnen beschäftigt. Er sprach zu seinen Besuchern: „Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?“ Die Leute blickten in den tiefen Brunnen: „Wir sehen nichts!“ Nach einer kurzen Weile forderte der Mönch die Leute erneut auf: „Schaut in den Brunnen! Was seht ihr jetzt?“ Die Leute blickten wieder hinunter: „Ja, jetzt sehen wir uns selber!“ Der Mönch sprach:
„Nun, als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation: Man sieht sich selber! Und nun wartet noch eine Weile.“ Nach einer Weile sagte der Mönch erneut: „Schaut jetzt in den Brunnen. Was seht ihr?“ Die Menschen schauten hinunter: „Nun sehen wir die Steine auf dem Grund des Brunnens.“ Da erklärte der Mönch: „Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation. Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund aller Dinge.“ - Der Atomphysiker Werner Heisenberg hat sich zu Gott als dem Ur-Grund allen Lebens bekannt, indem er scheibt: „Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“ Jeder Mensch stellt sich die Frage: Aus welchen Quellen lebe ich? Gibt es eine Quelle, die nie versiegt und die umsonst den eigenen Lebensdurst stillen kann? – manchmal ist es gar nicht so einfach zu merken, nach was genau es mich denn dürstet. Manche Menschen dürstet es nach Liebe, Zuwendung und Geborgenheit. Manche dürstet es nach Gerechtigkeit und Wahrheit. Manche dürstet es nach einem Sinn in ihrem Leben, nach Orientierung, nach einer Aufgabe. Manche dürstet es nach Anerkennung, Vertrauen und neuer Kraft. Manche dürstet es nach Frieden, dass die Kriege dieser Welt, Terror und Gewalt endlich enden und die Menschen zur Vernunft kommen. So unterschiedlich unser Durst auch sein mag: Gott sagt zu uns allen: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Lebendiges Wasser. Was ist das eigentlich? Es sind Kräfte, Worte, Personen, die unserem Leben Mut und Hoffnung geben. Lebendiges Wasser ist wie der Segen Gottes, der uns am Ende des Gottesdienstes zugesprochen wird und nicht versiegt. Denn als Gesegnete werden wir anderen zum Segen. In einem irischen Segenswort wird die segnende Kraft so zum Ausdruck gebracht: „Gott schenke dir Liebe, damit du Liebe austeilen kannst. Gott helfe dir, damit du deine Hilfe anbieten kannst. Gott sei dir nahe, damit du eine Brücke schlagen kannst zu deinen Mitmenschen. Denn der Segen Gottes ist immer groß genug, damit du teilen kannst, ohne selber zu wenig zu haben. Gott segne dich.”

Ich grüße Sie /Euch herzlichst mit allen guten Wünschen, vor allem Gesundheit, Freude am Leben und Gottes Segen!

Ihr
Norbert Müller, Pfr.

„Jesus spricht: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“
Johannes Evangelium 6,35