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Jahreslosung 2016:„Gott spricht:„ Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“. Jesaja 66,13
Liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!

Gott als Mutter? Dieses Bild kommt in der Bibel nicht oft vor. Der Prophet Jesaja richtet diese Worte vor 2500 Jahren an die Israeliten, deren Heimat zerstört wurde, die ihr Zuhause, geliebte Menschen und all ihr Hab und Gut verlassen mussten. Das Volk Israel brauchte Trost, weil es darunter litt, dass ein Großteil seiner Glaubensgeschwister noch immer in der babylonischen Gefangenschaft saß. Wer die Welt sieht wie sie ist, der empfand damals und empfindet heute Trostlosigkeit. Die Bibel nimmt diese wahrgenommene Realität immer wieder auf. Jahrhunderte später im Neuen Testament redet der Apostel Paulus davon, wie bedrängt und unsicher unser Leben ist. Und zwar für alle: für Mensch und Tier, für die gesamte Schöpfung. Sie stöhnt und seufzt. Wie von selbst wird manches immer schlimmer. Da verhungern Menschen, werden durch Unrecht und Gewalt entwürdigt, werden ihrer Möglichkeiten beraubt und von einer heimtückischen Krankheit zerfressen. Terror und Gewalt verbreiten Angst und Schrecken und zwingen Menschen zur Flucht. Dass Gott tröstet kann man sich daher nur schwer vorstellen. Wie soll das gehen? Der Prophet Jesaja baut uns deshalb eine Brücke und erinnert uns daran, dass Mütter besonders gut trösten können.
Das Schluchzen eines Kindes kann sich schnell in Lachen verwandeln, wenn es die Mutter oder der Vater tröstend in die Arme nimmt. Es atmet auf, kommt zur Ruhe und springt wieder fröhlich vom Arm. Dieter Braun führt uns in folgendem Gedicht den Trost vor Augen, den wir in unseren Kinder -und Ju-gendtage n gesucht und erfahren haben:
„Weißt du noch? / Damals. /Hingefallen – wunde Knie – aufgeschürfte Hände. / Und sie war da. / Arme, die dich umschließen. / Worte, die die Seele streicheln. / Eine Hand, die dir Halt gibt. / Längst bist du groß geworden. / Nimmst dein Leben selbst in die Hand. / Gehst deinen eigenen Weg. / Tröstende Mütter scheinen von gestern. / Die Sehnsucht aber ist geblieben. / Nach Geborgenheit. / Nach Nähe. / Nach Halt. / Menschenhände haben ihre Grenzen. / Sind nicht für immer da. / Gottes Hand bleibt. / Er ist da. / Er hält dich. / Er tröstet dich. / Wie eine Mutter.“
Zum Trost gehört neben der Zuwendung und Nähe auch das Versprechen, dass das Leid überwunden wird. Die Mutter, die ihr weinendes Kind im Arm hält, kann dieses Versprechen geben, denn sie kann weitersehen als auf das aufgeschlagene Knie. Sie weiß, dass es heilen wird, und kann darum sagen: „Gleich wird es besser!“ Eine Mutter tröstet mit Worten. Auch Gott tröstet mit Worten. Dass die Bibel uns Kraft und Trost gibt, hat der Philosoph Immanuel Kant erfahren und so bezeugt: „Alle Bücher, die ich gelesen, haben mir den Trost nicht gegeben, den mir das Wort in der Bibel, Psalm 23,4 gab: Ob ich schon wandere im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du Herr, bist bei mir!!“
Aus der Bibel spricht der tröstende Gott zu uns. Und von diesem Gott werden wir reichlich getröstet durch Jesus Christus, weil er durch den Tod hindurch ins Leben gegangen ist, weil Gott den leidenden, den gekreuzigten Jesus vom Tod auferweckt hat. Die Kirche hat viele Aufgaben: eine herausragende ist zu trösten. Als Christen sollen wir trösten, die Menschen, die in Trauer sind, die trostbedürftig sind –in unserem Umfeld, in unseren Familien, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz. Trösten heißt, einen Menschen mit hineinnehmen in die Kraft, die von Gott, von Jesus Christus ausgeht und Ausstrahlung findet in der Kraft der Liebe und in der Kraft des Glaubens. Johannes Calvin hat über die tröstende Kraft des Glaubens folgendes geschrieben: „Wir sollen, was immer geschieht, fest bleiben in dem Glauben, dass Gott, der uns einmal seine Liebe zugewendet hat, niemals aufhören wird, für uns zu sorgen.“
Ich grüße Sie alle herzlichst mit allen guten Wünschen, vor allem Gesundheit, Freude am Leben und Gottes Segen!

Herzlichst Ihr
Norbert Müller, Pfr.

„„Nichts tröstet mächtiger als die
Gewissheit mitten im Elend, mitten in allen Bedrängnissen von der Liebe Gottes umfangen zu werden.““

Johannes Calvin (1509-1564)
(1831-1910)