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Jahreslosung 2014: „Gott nahe zu sein ist mein Glück“ Psalm 73,28
Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Gemeinde!

Was ist Glück? Ist es überhaupt irgendwo zu finden? Was macht uns glücklich? Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat über das Christentum kritisch formuliert: „Wenn die Christen doch glücklicher aussehen würden, dann könnte man vielleicht eher an ihren Gott glauben“. Seine Beobachtung war sicher richtig: Ob jemand glücklich ist oder nicht, hängt zunächst einmal nicht von der Konfession ab. Von was aber dann? -Überall ist die Rede von Glück und Glücklich Sein. Im Internet, im Buchhandel, in der Werbung tritt der objektive Nutzen, den ein angepriesenes Produkt für die Bewältigung des Lebensalltags haben kann, längst in den Hintergrund zugunsten des subjektiven Glücksgefühls, das es angeblich vermittelt. Unsere Sehnsucht nach Glück hat der Markt entdeckt. Das Glück steht hoch im Kurs. Das Streben nach Glück gewinnt immer mehr an Bedeutung. Und fast jeder hat die Ahnung: Arbeiten, Essen, Schlafen, Fernsehen – das kann doch nicht alles sein. Für viele Menschen endet das Glück, wenn es zu Krankheit und Scheitern, Leiden und Sterben kommt. Dann versagen auch die meisten Glücksbücher, die Glück einseitig als Wohlbefinden verstehen. Rückschläge sind da nicht vorgesehen. Sie gelten als das Gegenteil vom Glück, eben als Unglück. Und diese machen hilflos. Glück ist nur das gelingende Leben, die optimale Leistungsfähigkeit. Was erfahren wir aus der Bibel?
Der Psalmbeter hat die Erfahrung gemacht: Gottes Nähe bedeutet Glück – und das ist in der Bibel im Buch der Psalmen überliefert. Dabei hören wir hier von einem Menschen, dem es nicht mal gut geht. Er bemüht sich, im Leben alles richtig zu machen, und muss feststellen, dass es denen besser geht, die die Gebote Gottes nicht beachten. Warum geht es den Gottfernen so gut? Warum gelingt denen, was ihm nicht gelingt? Warum gelingt anderen, was mir nicht gelingt? Warum ist das Glück nicht auf meiner Seite? - Es gibt einen Weg, sich von solcher Ungerechtigkeit nicht zermürben zu lassen. Sich die Sehnsucht zu bewah­ren, hilft, dass die Seele nicht bitter wird. Weshalb schadet die Verbitterung?
Bitterkeit ist hochgradig ungesund und sollte deshalb keine Wurzeln in uns schlagen. Bitterkeit besteht aus negativen Gedanken, die wir uns über uns selbst, unsere Lebensumstände und unsere Mitmenschen machen. Diese Gedanken ziehen uns in einer Negativspirale immer weiter hinunter, und heraus kommen Unzufriedenheit mit dem eigenen Schicksal, Hader und Neid.
Viele Menschen, die darauf vertraut haben, dass Gott es gut mit ihnen meint, haben die Erfahrung gemacht, dass sie nach Schicksalsschlägen und Härten des Lebens auch immer wieder Glück empfinden konnten. So sind die Täler der Trauer und Trostlosigkeit für viele auch eine Vertiefung ihrer Lebenserfahrung, die sie rückblickend stärker gemacht haben.
Wo erfahre ich Gottes Nähe, Kraft und Trost? - Gott nahe sein - das geschieht im Gottesdienst. Das geschieht durch Menschen, deren Nähe uns gut tut. Gott nahe sein bedeutet durch Verun­sicherungen hindurch aufmerksam den Weg mitgehen, den Gott uns führt. Gott nahe sein bedeutet immer wieder erinnern, dass die Menschen, die andere verbittern, nicht das Letzte Wort haben.
Wie der Psalmbeter nicht in seiner Verzweiflung steckenbleibt, sondern schließlich zum Bekenntnis kommt, dass Gottes Nähe allein die wahre Quelle des Glücks ist, so sollen auch wir aus Zweifel und Glaubenskrisen gestärkt hervorgehen. Dieser Psalmbeter betrachtet seine Glaubenserfahrung ganz offensichtlich nicht als seine Privatangelegenheit, sondern er lässt andere an seinem Weg durch Anfechtung und Zweifel hindurch zu Glauben und Zuversicht teilhaben. Und dieses Zeugnis einer tiefen Krise und dem daraus neu erwachsenen Vertrauen hat immer wieder Menschen erreicht, die sich und ihre Erfahrungen darin wiederfinden konnten. Dafür gibt es Gründe: Denn kritische Fragen, eine gesunde Skepsis und auch manchmal grundlegende Zweifel gehören zum Glauben untrennbar dazu. Und wer ernsthaft Gott sucht, wird immer mehr finden als Glück.
Das Ziel unseres Lebens ist der Gott, der uns von Angst und Furcht, von Verbitterung und Neid befreien will. Wer Glauben und Hoffnung hat, der muss nicht um jeden Preis dem Glück nachjagen; er kann auch Nachteile oder gar Leiden in Kauf nehmen. Wer Hoffnung hat, der kann es aushalten, wenn er scheinbar im Leben zu kurz kommt, denn er weiß, das Eigentliche kommt erst noch. Das Vertrauen auf einen Gott, der es gut mit uns meint, der uns Glück schenkt, aber auch in unglücklichen Phasen uns seine Liebe und Treue erfahren lässt, gibt unserem Leben Sinn und Erfüllung. Glück im eigentlichen Sinn ist:
in Gottes Nähe und unter seinem Segen leben zu dürfen.
Ich grüße Sie alle herzlichst mit allen guten Wünschen, vor allem Gesundheit, Freude am Leben und Gottes Segen!!

Herzlichst Ihr
Norbert Müller

„Glücklich die Kirche, in der Menschen zusammenkommen, ohne Angst und Furcht; sie wird zum Ort der Befreiung“.

Hanns Dieter Hüsch