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Andacht zur Jahreslosung 2007: „Gott spricht: ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr´s denn nicht?“ Jesaja 43,19
Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Gemeinde!

Unsere Jahreslosung ist ein lebendiges Wort Gottes hineingesprochen, in eine Zeit großer Unruhe und eines radikalen, sozialen Zusammenbruchs. Die bis dahin bekannte Welt war auseinander gefallen. Und gerade dieser Zusammenbruch ist es, der die Fantasie freisetzt. Im Jahr 587 v. Chr. war die Stadt Jerusalem zerstört worden, der Tempel niedergebrannt und die Gewissheiten des Glaubens Israels waren nicht länger vorhanden. Viele Israeliten waren zutiefst verstört und in ein fernes, fremdes Land geführt worden. Und nun, mitten im Exil meldet sich ein Dichter, ein Prophet zu Wort, der von Gottes Geist dazu ermächtigt ist. Seine Verse finden sich im Jesaja-Buch, Kapitel 40—55. Aus dem Mund dieses Propheten kommt Einspruch gegen die Verzweiflung des Zusammenbruchs. Er richtet die Herzen und den Pulsschlag seines Volkes aus auf eine neue Heimat, ein neues Shalom, ein neues Jerusalem, eine neue Zeit. Damals waren diese Worte erstaunlich, und sie sind es bis heute, besonders für Menschen in vergleichbaren Situationen. Neues macht zunächst neugierig. Und was neu ist, scheint auf den ersten Blick gut. Das gilt für neue Besen, die wörtlich gut kehren sollen. Das gilt allgemein für neues Werkzeug, das die Arbeit erleichtert. Das gilt für neue Freundschaften und manchen anderen Neuanfang. Das gilt für neue Kleidung: Pullover, Jacken, Anzüge - doch spätestens hier taucht gelegentlich die Frage auf: Ist das Neue so gut wie das Alte? Stimmt die Qualität? Hält das Neue, das da kommt, was es verspricht?
Es gibt viele Menschen, die Angst vor Neuem haben. Sorge machen ihnen neue Krisenmeldungen aus dem Unternehmen, in dem sie arbeiten. Viele sind die ständigen Veränderungen leid und können darin keinen Sinn mehr entdecken. Unruhig warten andere auf den Befund ihres Arztes und sind glücklich, wenn es nichts Neues gibt. In der Tageszeitung schauen manche zuerst nach den Familiennachrichten — mit der leisen Hoffnung nichts Neues zu finden, das anzeigt: Der Kreis deiner Freunde und Bekannten wird kleiner. Familiennachrichten — mit der leisen Hoffnung nichts Neues zu finden, das anzeigt: Der Kreis deiner Freunde und Bekannten wird kleiner. Wer recht fest gefügte Vorstellungen vom Leben hat, und wessen Lebensgefühl sehr stark von der Vergangenheit geprägt ist, der scheut sich vor dem Neuen und vor allem Wandel. Es gibt Situationen, in denen Menschen meinen, nur noch die Wahl zu haben zwischen einer nostalgischen Erinnerung an einen Glauben, den es so nicht mehr gibt, oder der Verzweiflung, dass es schier unmöglich erscheint, überhaupt noch glauben zu können. Die Sehnsucht nach der guten alten Zeit hindert oft daran, etwas Neues auszuprobieren. Deshalb stehen wir uns manchmal selbst im Weg mit unserem Erfahrungswissen und mit unserer Skepsis, ob das Neue wirklich gelingen kann. Neues löst in unseren Zeiten gemischte Gefühle aus. Je tiefer die Veränderungen gehen, mit denen wir konfrontiert sind, umso größer wird die Angst vor Neuem. Trotzdem will Gott Neues schaffen. Oder genauer: Deswegen will Gott Neues schaffen. Das Alte hat in die Gefangenschaft geführt. Das Alte hat die Menschen gelähmt und ihnen keine Kraft mehr zu Träumen und Visionen gegeben. Vor diesem Hintergrund redet der Prophet Jesaja.
Gerade da, wo Menschen es nicht für möglich halten, etwas Neues wahrnehmen zu können, löst der Prophet die Umklammerung eines nach rückwärts gewandten Blicks: „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr‘s denn nicht?“ (Jesaja 43,18-19). Das Wörtchen „siehe“ will unseren Blick im wahrsten Sinn des Wortes auf etwas Besonderes lenken. Hinsehen sollen wir, die Augen weit öffnen für Gottes Handeln in unserem Leben und in dieser Welt. Es könnte uns geschenkt werden, dass wir hinter den Dingen, die wir vordergründig mit unseren Augen wahrnehmen, etwas erahnen von Gottes Gegenwart. Er sagt nicht, was es ist. Aber er vertraut auf unseren Durchblick, dass wir an Gottes Wirken glauben, dass Gott in uns Etwas wachsen lassen will, unabhängig ob wir jung oder alt sind. Es wächst, wenn wir es zulassen. Es geschieht immer wieder, dass Hoffnung wächst, Zuversicht und Vertrauen zunehmen. Die neue Hoffnung, die Gott schafft, stärkt unsere Träume und Visionen, dass mit Gottes Hilfe einmal alle Erfahrungen des Mangels und der Erschöpfung überwunden werden. Dieses Neue wächst gegen die Leben zerstörenden Mächte und gegen die Zukunftsangst. Ich wünsche uns allen einen mutigen, angstbefreiten Blick nach vorn, offen für das, was Gott in unserem persönlichen Leben, aber auch im Leben unserer Kirche und Gesellschaft Neues wachsen lassen will.!
Ich wünsche Ihnen allen für Ihren weiteren Weg durch das Jahr 2007 alles Gute, vor allem Gesundheit und Gottes Segen.

Herzlichst
Norbert Müller

„Träumt einer allein, ist es nur ein Traum. Träumen viele gemeinsam, ist es der Anfang von etwas Neuem.“
Weisheit aus Brasilien